anwenderreportage
Alstom fertigt Ersatzteile mit WAAM schneller und effizienter
Alstom setzt auf WAAM (Wire Arc Additive Manufacturing), um Ersatzteile für Schienenfahrzeuge ressourcenschonend und kurzfristig herzustellen. Auf der diesjährigen Formnext präsentiert Gefertec u. a. den gemeinsam umgesetzten Schlingerdämpfer.
Blick in ein arc-Bearbeitungszentrum von Gefertec. Nur wenige Stunden dauerte der Druck des Schlingerdämpfers.
Shortcut
Aufgabenstellung: Ersatzteile über Jahrzehnte hinweg bereit stellen.
Lösung: Herstellung mittels WAAM-Verfahren von Gefertec.
Nutzen: Herstellung ohne Gussmodell und ohne hohe Vorlaufkosten; Vorteile der digitalen Lagerhaltung.
Als einer der weltweit führenden Hersteller von Schienenfahrzeugen bietet Alstom nicht nur Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven und Straßenbahnen, sondern auch Komponenten, Infrastruktur und umfassende Services. Ersatzteile werden selbst über Jahrzehnte hinweg bereitgestellt. Angesichts langer Lebenszyklen von Fahrzeugen und der Vielzahl an Bauteilen stößt klassische Lagerhaltung an ihre Grenzen.
Ein solcher Fall trat ein, als Alstom für ein älteres Fahrzeugmodell einen Schlingerdämpfer benötigte – ein Stahlgussteil, das zwischen Drehgestell und Wagenkasten sitzt und bei hohen Geschwindigkeiten sowie in Kurven für Stabilität sorgt. „Wir mussten lange nach der letzten Fertigung plötzlich wieder dieses Ersatzteil liefern“, berichtet Dr.-Ing. Uwe Jurdeczka, Gruppenleiter Innovative Produktionstechnologien bei Alstom. Die konventionelle Fertigung im Stahlguss hätte einen neuen Lieferanten, ein Gussmodell und hohe Vorlaufkosten bedeutet – ohne Garantie auf Wirtschaftlichkeit. Jurdeczka und sein Team suchten daher nach Alternativen.
Alstom setzt auf WAAM (Wire Arc Additive Manufacturing), um Ersatzteile für Schienenfahrzeuge ressourcenschonend und kurzfristig herzustellen.
Anwender: Alstom
Seit über 175 Jahren leistet Alstom in Deutschland einen Beitrag zur Mobilität auf der Schiene. Das Unternehmen ist in drei zentralen Geschäftsbereichen aktiv. Dazu zählen die Produktion von Fahrzeugen und Komponenten sowie Service und Digitalisierung. Bei den Fahrzeugen reicht das Portfolio von der Lokomotive bis zur Straßenbahn, beim Service von der Reparatur bis zur Komplettmodernisierung. Als verlässlicher Partner der Digitalen Schiene stehen Alstoms Signaltechniklösungen für die digitale Mobilität von morgen. Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber der Branche und bietet zahlreiche Karrierechancen.
Alstom GmbH
Siegstraße 27
57250 Netphen
https://www.alstom.com/de/alstom-deutschland
Additive Fertigung als strategische Lösung
Alstom steht mit dieser Herausforderung nicht allein. Die Bahnbranche sucht zunehmend nach Wegen, um Lagerkosten zu senken und Lieferzeiten zu verkürzen. Doch sind additiv gefertigte Teile den extremen Anforderungen des Bahnverkehrs gewachsen? Für Jurdeczka ist die Antwort klar: „WAAM ist das geeignete Verfahren, um die geforderte Qualität zu erreichen.“ Dabei werden metallische Werkstücke per Lichtbogenauftragschweißen Schicht für Schicht aufgebaut – mithilfe eines aufgeschmolzenen Drahts und digitaler Fertigungsdaten, die in automatisierten Bearbeitungszentren verarbeitet werden.
Erfolgreiche Umsetzung mit Gefertec
Jurdeczka wandte sich an den Berliner Maschinenbauer Gefertec, der WAAM-Lösungen anbietet – sowohl als Maschinenlieferant als auch als Dienstleister. Die Partner kannten sich bereits, 2020 hatte Gefertec erste Achslagerdeckel per WAAM gefertigt. In der initialen Machbarkeitsstudie – basierend auf Material- und Geometriedaten – zeigte sich: Die Fertigung per WAAM ist möglich. Es folgten Materialauswahl, Bahnplanung für den Schweißkopf und die Festlegung aller Fertigungsparameter. Die Konstruktionsdaten mussten für das additive Verfahren angepasst werden – inklusive zusätzlicher Radien und Fertigungszugaben, die später überfräst wurden, um glatte Oberflächen zu erzielen.
Nach der Endbearbeitung wurden die Dämpfer statisch und dynamisch umfassend geprüft. Schließlich müssen die Bauteile extremen Belastungen standhalten und strenge Regularien erfüllen. Von der ersten Studie bis zur geprüften Schlingerdämpferkonsole vergingen nur 100 Tage. Die Zusammenarbeit mit Gefertec lobt Jurdeczka ausdrücklich: „Die hohe Kompetenz des Teams, die Transparenz im Projektverlauf und die unkomplizierte Auswertung der Ergebnisse waren überzeugend.“ Für ihn bietet es sich an, das Design direkt auf Additive Fertigung auszurichten und eine digitale Lagerhaltung zu ermöglichen.
Auf der Formnext vom 18. bis 21. November präsentiert Gefertec an seinem Stand neben Bauteilen für Industrien wie Öl & Gas, Luft- und Raumfahrt sowie Werkzeugbau auch den Schlingerdämpfer für Alstom.
Gefertec auf der Formnext: Halle 11.1, Stand D31


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