veranstaltung

rapid.tech 3D 2026: Kongressqualität als Erfolgsfaktor

Während viele Branchenveranstaltungen derzeit um ihre Position zwischen Messe, Kongress und Networking-Plattform ringen, hat die rapid.tech 3D 2026 vor allem durch die Qualität ihres Fachprogramms überzeugt. Drei Tage lang diskutierten Experten aus Industrie, Forschung und Entwicklung über konkrete Anwendungen, industrielle Skalierung und neue Geschäftsmodelle der Additiven Fertigung. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie stark sich die Technologie von der Phase technologischer Machbarkeitsstudien hin zu einem industriell nutzbaren Werkzeug entwickelt hat. Weniger die Frage nach dem Ob, sondern vielmehr nach dem Wie prägte die Diskussionen in den Foren, Panels und Expertengesprächen.

Die Konferenz punktete durch hochkarätige Keynotes und ein breit gefächertes Vortragsprogramm. (Bilder: Christian Seeling)

Die Konferenz punktete durch hochkarätige Keynotes und ein breit gefächertes Vortragsprogramm. (Bilder: Christian Seeling)

Wer die Entwicklung der Additiven Fertigung über die vergangenen Jahre verfolgt hat, konnte in Erfurt einen bemerkenswerten Wandel beobachten. Lange Zeit standen neue Maschinen, Werkstoffe und Prozessparameter im Mittelpunkt der Diskussionen. Auf der diesjährigen rapid.tech 3D dominierten dagegen Themen wie Skalierbarkeit, Automatisierung, Prozesssicherheit und die Integration additiver Verfahren in bestehende Produktionsumgebungen.

Im Science Corner erfuhren Teilnehmer Interessantes aus der additiven Forschungswelt.

Im Science Corner erfuhren Teilnehmer Interessantes aus der additiven Forschungswelt.

Industrialisierung der Additiven Fertigung wird sichtbar

Bereits die Keynotes machten deutlich, dass die Branche in einer neuen Entwicklungsphase angekommen ist. Stefan Zeier von GKN Powder Metallurgy beschrieb die Entwicklung vom Metall-Spritzguss zum Metall-Binderjetting als Beispiel dafür, wie aus einer vielversprechenden Technologie ein industriell nutzbarer Prozess werden kann. Stefanus Bosch von BMW zeigte, wie sich die Anforderungen verändern, sobald Anwendungen den Schritt aus der Entwicklung in die Produktion schaffen. Größere Bauteile, höhere Stückzahlen und strengere Qualitätsanforderungen verlangen nach durchgängigen Prozessketten und einem deutlich höheren Automatisierungsgrad.

Passend dazu erläuterte Prof. Dr. Christian Seidel die Neuausrichtung des Wohlers Reports. Die internationale AM-Branche wird zunehmend entlang konkreter Anwendungsfelder betrachtet. Die reine Technologiebetrachtung tritt in den Hintergrund. Entscheidend ist der Nutzen innerhalb industrieller Wertschöpfungsketten. Genau diese Perspektive prägte die gesamte Veranstaltung. In zahlreichen Vorträgen standen wirtschaftliche Effekte, verkürzte Entwicklungszeiten, resilientere Lieferketten und neue Geschäftsmodelle im Mittelpunkt.

Hinzu kam die zunehmende Verzahnung von Additiver Fertigung und Digitalisierung. Beiträge von Siemens, Accenture und weiteren Unternehmen zeigten, wie datengetriebene Prozesse und Künstliche Intelligenz künftig Entwicklung, Fertigungsplanung und Produktion enger miteinander verbinden können. Die Diskussion verlagerte sich damit weg von einzelnen Maschinen hin zu intelligenten Produktionssystemen.

Der Exzellenzpreis bewies eindrucksvoll, dass Additive Fertigung wirtschaftliche Vorteile bringt.

Der Exzellenzpreis bewies eindrucksvoll, dass Additive Fertigung wirtschaftliche Vorteile bringt.

Von Defence bis Chemie: neue Anwendungsfelder gewinnen an Dynamik

Besonders auffällig war die thematische Breite der diesjährigen rapid.tech 3D. Gleichzeitig wurde klar, dass die einzelnen Branchen sehr unterschiedliche Anforderungen an additive Verfahren stellen. Große Aufmerksamkeit erhielt das Forum Aerospace & Defence. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verleihen Fragen nach Versorgungssicherheit und technologischer Souveränität eine neue Relevanz. Die Keynote von Prof. Dr. Fernando Lasagni gehörte deshalb zu den meistdiskutierten Beiträgen der Veranstaltung. Anhand konkreter Anwendungen aus Luftwaffe, Marine und Landstreitkräften zeigte er, wie mobile und zertifizierte Fertigungseinheiten dazu beitragen können, Ersatzteile direkt vor Ort herzustellen. Containerbasierte Produktionslösungen könnten künftig helfen, Ausfallzeiten zu reduzieren und die Verfügbarkeit komplexer Systeme zu erhöhen. Bemerkenswert war dabei weniger die Technologie selbst als die strategische Perspektive: Additive Fertigung wird zunehmend als Instrument zur Absicherung kritischer Versorgungsketten verstanden.

Auch das Forum Automotive & Mobility zeigte die Reife der Technologie. Die Bandbreite reichte von individualisierten Komponenten bis zu großformatigen Bauteilen für Schienenfahrzeuge. Mehrere Beiträge beschäftigten sich mit digitalen Ersatzteilstrategien und dezentralen Produktionskonzepten. Die Technologie wird damit zunehmend Teil moderner Mobilitäts- und Servicekonzepte.

Im Forum Chemistry, Process & Plant Engineering standen Anwendungen im Mittelpunkt, die von den konstruktiven Freiheitsgraden additiver Verfahren profitieren. Neue Kühllösungen für Rechenzentren, optimierte Strömungskomponenten und spezialisierte Bauteile für regulierte Produktionsumgebungen verdeutlichten, dass Additive Fertigung inzwischen auch in klassischen Prozessindustrien angekommen ist.

Einen wichtigen Akzent setzte darüber hinaus das Forum Solutions for AM Industry powered by VDMA. Die Vorträge zeigten, dass Additive Manufacturing heute nicht isoliert betrachtet werden kann. Vielmehr entfaltet die Technologie ihre Stärken dort, wo sie bestehende Fertigungstechnologien sinnvoll ergänzt und in industrielle Gesamtprozesse eingebunden wird.

In den Technical Deep Dives zeigten ausgewählte Aussteller, wie Additive Fertigung in der Praxis gelingt.

In den Technical Deep Dives zeigten ausgewählte Aussteller, wie Additive Fertigung in der Praxis gelingt.

Wissenstransfer bleibt das eigentliche Kapital der Veranstaltung

Die größte Stärke der rapid.tech 3D lag auch 2026 nicht in der Zahl der gezeigten Maschinen oder Exponate, sondern in der Qualität des fachlichen Austauschs. Kaum eine andere deutschsprachige Veranstaltung verbindet Industrie, Forschung und Anwender in vergleichbarer Intensität. Dies zeigte sich insbesondere in den Expert Tables. Die Diskussionsrunden ermöglichten einen direkten Austausch über konkrete Anwendungen, reale Bauteile und praktische Erfahrungen. Statt Marketingbotschaften standen technische und wirtschaftliche Fragestellungen im Vordergrund. Ähnliches galt für die Technical Deep Dive Tours. Sie führten die Teilnehmer gezielt zu ausgewählten Unternehmen und ermöglichten vertiefte Einblicke in reale Anwendungen. Gerade diese Verbindung aus Vorträgen, Diskussionen und unmittelbarem Praxisbezug sorgte für den besonderen Charakter der Veranstaltung.

Erfolgreich etablierten sich zudem die erstmals angebotenen Short Courses. Die zertifizierten Weiterbildungsangebote trafen auf großes Interesse und verdeutlichten, dass die Branche zunehmend nach qualifizierten Fachkräften sucht. Mit der Industrialisierung der Additiven Fertigung steigt auch der Bedarf an systematischem Wissensaufbau. Bemerkenswert war dabei, dass die größte Dynamik überall dort entstand, wo Fachvorträge, Expertengespräche und Lösungsanbieter eng miteinander verzahnt waren. Genau in dieser Verbindung liegt eine der wesentlichen Stärken der rapid.tech 3D und zugleich ein möglicher Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung zukünftiger Veranstaltungsformate.

Exzellenzpreis rückt industrielle Anwendungen ins Rampenlicht

Eine der wichtigsten Neuerungen der rapid.tech 3D 2026 war die erstmalige Verleihung des Exzellenzpreises. Bereits im Vorfeld hatte die Auszeichnung große Aufmerksamkeit erhalten. Anders als viele Technologiepreise konzentriert sich der Exzellenzpreis nicht auf visionäre Konzepte oder Forschungsergebnisse, sondern auf Anwendungen, die den erfolgreichen Transfer additiver Technologien in die industrielle Praxis belegen. Der Auswahlprozess kombinierte Community Voting und Fachjurybewertung. Dadurch rückten Projekte in den Mittelpunkt, die sowohl technologisch überzeugen als auch einen nachweisbaren Nutzen in realen Produktionsumgebungen schaffen.

Den ersten Platz belegte Tobias Geiger von Bausch+Ströbel mit einer additiv gefertigten Zuführbahn für Pilzstopfen zum Verschluss pharmazeutischer Objekte. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich durch Additive Fertigung Funktionen optimieren, Prozesssicherheit erhöhen und gleichzeitig Entwicklungs- und Produktionsaufwand reduzieren lassen. Gerade in hochregulierten Branchen wie der Pharmaindustrie besitzen solche Lösungen ein enormes Potenzial.

Platz zwei ging an Patrick Findeklee von Siemens Energy. Die additiv gefertigten Leitschaufeln zur Emissionssenkung großer Gasturbinen verdeutlichen, wie sich mit additiven Verfahren nicht nur komplexe Geometrien realisieren lassen, sondern auch messbare Verbesserungen bei Effizienz und Nachhaltigkeit erzielt werden können.

Den dritten Platz erhielt Dr. Sebastian Katona von Siemens Mobility für die vollständig additiv gefertigte Frontverkleidung eines Schienenfahrzeugs. Das Projekt steht stellvertretend für die zunehmende Bedeutung Additiver Fertigung im Mobilitätssektor und zeigt, welche Möglichkeiten sich bei großen Strukturbauteilen eröffnen.

Insbesondere die Vielfalt der ausgezeichneten Projekte machte die Aussagekraft des Exzellenzpreises aus. Pharmaindustrie, Energietechnik und Schienenverkehr repräsentieren völlig unterschiedliche Anwendungsfelder. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass Additive Fertigung dort nicht mehr experimentell eingesetzt wird, sondern konkrete wirtschaftliche Vorteile schafft. Der Preis lieferte damit vielleicht die überzeugendste Zusammenfassung dessen, was die rapid.tech 3D 2026 insgesamt aufzeigte: Die Technologie hat vielerorts den Sprung in die industrielle Realität geschafft.

Qualität des Kongresses bleibt das Alleinstellungsmerkmal

Die rapid.tech 3D hat 2026 eindrucksvoll unterstrichen, warum sie seit mehr als zwei Jahrzehnten einen festen Platz im Kalender der Additive-Manufacturing-Community einnimmt. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen, ohne sich in Technologiepräsentationen zu verlieren. Stattdessen standen Anwendungen, industrielle Relevanz und konkrete Lösungsansätze im Fokus. Von Defence über Mobilität und Chemie bis hin zu Forschung und Weiterbildung zog sich ein gemeinsamer Gedanke durch das Programm: Additive Fertigung wird zunehmend zu einem selbstverständlichen Bestandteil moderner Wertschöpfungsketten. Die spannendsten Diskussionen drehten sich deshalb nicht mehr um die Möglichkeiten der Technologie, sondern um ihre erfolgreiche Umsetzung.

Hier liegt die besondere Stärke der rapid.tech 3D: Sie bietet einen Rahmen, in dem Forschung, Industrie und Anwender miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam die nächsten Entwicklungsschritte definieren. Die hohe Qualität der Vorträge, die intensive Beteiligung der Fachcommunity und die Vielfalt der diskutierten Anwendungen machten die Veranstaltung auch 2026 zu einer der wichtigsten Wissensplattformen für Additive Manufacturing im deutschsprachigen Raum.

Filtern

Suchbegriff

Unterkategorie

Firmen

Inhaltstyp

Firmentyp

Land