gastkommentar

Additive Fertigung auf der K 2025: Viel Potenzial, wenig Präsenz

Eigentlich möchte man gerne sagen, dass der 3D-Druck in der Kunststoffindustrie als komplementäres Verfahren zur Herstellung von Bauteilen angekommen wäre. Tatsächlich zeigt die K 2025 dies nicht. Gemäß den aktuellen hohen Wachstumsraten beim Volumen der 3D-gedruckten Kunststoffe und dem Potenzial, mit 3D-gedruckten Bauteilen die Effizienz von Anwendungen deutlich zu steigern, verpasst die Kunststoff-Industrie große Chancen, wenn sie den 3D-Druck weiterhin ignoriert.

Dirk Simon, unabhängiger Berater im Geschäftsfeld 3D-Druck, berichtet über die K 2025 (Bild: Messe Düsseldorf/C.Tillmann)

Dirk Simon, unabhängiger Berater im Geschäftsfeld 3D-Druck, berichtet über die K 2025 (Bild: Messe Düsseldorf/C.Tillmann)

Die „K“ in Düsseldorf ist alle drei Jahre die weltgrößte Messe für die Kunststoff-Industrie. Mit dem Hype des 3D-Drucks stieg auch die Darstellung dieser Technologie auf den K-Messen der vergangenen Jahre. Ein Highlight war sicherlich auf der K 2016, als Arburg den Freeformer (3D-Drucker basierend auf Kunststoff-Granulat) spektakulär präsentierte. Bis zur K 2022 konnten Besucher eine stetig steigende Bedeutung des 3D-Drucks wahrnehmen, sowohl bei den Materialherstellern, industriellen 3D-Druck-Maschinen und den Dienstleistern für die Fertigung von Kunststoff-Teilen.

Auf der aktuellen K 2025 zeigt sich nun, wie der Hype um den 3D-Druck abgeklungen ist. Der 3D-Druck findet sich oft erst auf Nachfrage, das Stichwort „Additive Fertigung“ wird häufig missverstanden als Thema der Kunststoff-Additive. Viele ausstellende Unternehmen, obwohl aktiv im Geschäftsfeld des 3D-Drucks, präsentieren nichts diesbezüglich. Doch es gibt einige Aussteller, die ihre Produkte und Innovationen proaktiv darstellen. Zusätzlich sind ein paar Firmen, spezialisiert im Bereich 3D-Druck, das erste Mal auf der K 2025 vertreten.

3D-gedruckter Helm, ausgestellt am Evonik-Stand. (Bilder: Dr. Dirk Simon)

3D-gedruckter Helm, ausgestellt am Evonik-Stand. (Bilder: Dr. Dirk Simon)

Einige Materialanbieter werben auf der K 2025 mit 3D-Druck

Auf der K 2025 sind Werkstoffhersteller und deren Distributoren in drei Rollen zu finden, dies sind (i) Hersteller von Rohstoffen für 3D-Druck-Materialien, (ii) Lieferanten von 3D-Druck-Materialien, die ohne weitere Modifikation im 3D-Drucker verwendet werden (ready-to-use), und (iii) Anbieter von Systemen, die Produkte (3D-Druck-Maschinen, Software etc.) zusätzlich zum ready-to-use Material anbieten.

Rohstoffe für 3D-Druck-Materialien: Hier zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Ausstellern hinsichtlich Sichtbarkeit des 3D-Drucks am Stand und einer aktiven Marktbearbeitung Richtung 3D-Druck. Der Distributor von Kunststoffen und Hersteller von Spezial-Compounds LehVoss (DE) ist seit langem Anbieter von speziell für den 3D-Druck entwickelten Kunststoff-Formulierungen. Heuer präsentiert LehVoss innovative Typen (zum Beispiel PPS-basiert) und adressiert Kunden mit „Farmen“ vieler 3D-Drucker für die industrielle Serienfertigung.

Die folgenden Aussteller sind bekanntermaßen aktiv im 3D-Druck-Markt, zeigen dies jedoch nicht auf ihren Ständen: EMS Chemie (CH) ist Hersteller von unter anderem PA12-Pulver für pulverbettbasierte 3D-Druck-Verfahren; Basf (DE) vertreibt aus dem Sortiment auch Kunststoffe, die im 3D-Druck verwendet werden, zum Beispiel PESu; LyondellBasell (NL) hat spezielle Masterbatche für 3D-Druck-Materialien im Angebot. Sumitomo Chemical (JP), BYK (DE) sowie Actega (DE) verkaufen Kunststoffe für Filamente und Rohstoffe für photohärtbare Harze, und FujiFilm (JP) liefert die Wako-Photo-Initiatoren dafür. LG Chem (KR) ist ein bedeutender Hersteller von ABS-Typen, die als Filament breit im 3D-Druck eingesetzt werden. Weniger bekannt ist Hyosung (KR), Hersteller von olefinischen Polyketonen, die als Pulver im 3D-Druck verwendet werden. 3D-gedruckte Bauteile werden jedoch nicht auf deren Messestand gezeigt. Auch zeigt die Firma Zypeek (CN) keine 3D-gedruckten Bauteile, obwohl PEEK-Filamente in China oft aus deren Produkten hergestellt werden. Mitsui Chemicals (JP) hat interessante Kunststoffe im Markt, die als Rohstoffe für 3D-Druck-Materialien eingesetzt werden.

Als Bio-Polymer erfreut sich PLA zunehmender Beliebtheit im 3D-Druck. Das Start-up ADBioplastics (PT) liefert biobasierte Additive für PLA, 3D-gedruckte Bauteile weisen mit diesen Additiven eine höhere Bruchdehnung auf. Für die Herstellung von PLA braucht es oft eine spezifische Technologie, die von der Firma Sulzer Chemtech (CH) lizensiert wird, dies wird am Stand jedoch nicht gezeigt.

Lieferanten von gebrauchsfähigen 3D-Druck-Materialien: Die großen Chemie-Firmen Evonik (DE), Arkema (FR), Wanhua (CN), Lubrizol (US), Toray (JP), Victrex (UK) stellen auf ihren Messeständen 3D-gedruckte Bauteile aus (u. a. aus PA12, PA11, PEBA, TPU, PPS, PAEK/PEEK/PEKK). Dabei werden interessante Anwendungsfelder für 3D-gedruckte Bauteile präsentiert, zum Beispiel Helme, Orthesen, Sportschuhe, Teile für Automobil und Elektrogeräte. Ökologische Themen werden oft in Vordergrund gebracht. Als Innovation präsentiert Victrex das Low-Melt-PAEK mit besonderem Anwendungspotenzial im 3D-Druck. Mit 3D-gedruckten Hockern im Stand-Mobiliar präsentiert sich Mitsubishi Chemical (JP); sie vertreiben Compounds für die direkte Verwendung in 3D-Druckern oder zur Herstellung von Filamenten. Sie sind auch selbst Hersteller von Filamenten, die von 3Dmensionals vertrieben werden. Corbion/Total Energy (FR) zeigt PLA-Bauteile und einen handelsüblichen FFF Drucker. Das PLA von Corbion wird hinsichtlich Ökologie herausgestellt. Eine erwähnenswerte Innovation ist bei Lubrizol zu sehen: ein TPU-Schaum aus einem speziellen TPU-Filament, das im FFF-Verfahren verwendbar ist. Gehr (DE), als Hersteller von Kunststoff-Halbzeugen, bietet Filamente aus Hochleistungskunststoffen an. Es werden einige 3D-gedruckte Bauteile gezeigt. Aus der Solvay-Gruppe ist die Firma Syensqo hervorgegangen, die für den 3D-Druck gebrauchsfähige Pulver, aber auch speziell entwickelte Compounds für Filamente, herstellt. Auf dem Messestand wird dies aber nicht gezeigt. Ähnlich die BIEGLO-Gruppe (DE), Kunststoff-Distributor, Compounder, und Hersteller von Halbzeugen. Sie zeigen die bei Barplast (DE) hergestellten Filamente (Vertriebskanal 3d4Makers) nicht. Henkel Loctite (DE) ist mit photo-härtbaren Harzen und einiger 3D-gedruckten Funktionsbauteile auf einem Gemeinschaftsstand mit 3D Werk Black Forest vertreten.

System-Anbieter und Institute: Biesterfeld (DE), im Kerngeschäft Distributor von Kunststoffen, die auch Verwendung im 3D-Druck finden, bietet zusätzlich Systemlösungen bestehend aus 3D-Drucker, Software und Materialien (Filamente oder Granulate) an. Hervorgehoben wird der Silicone-Drucker von Lynxter, entsprechende Silicon-Bauteile werden ausgestellt.

Die Institute TITK (DE) und SKZ (DE) betonen die 3D-Druckverfahren als eine von vielen Möglichkeiten zur Herstellung von Kunststoff-Teilen. Entwicklungsprojekte werden dementsprechend im Vergleich der Verfahren dargestellt. Ähnliches lässt sich auch bei Ständen verschiedener Fraunhofer-Institute (DE) finden.

Toray zeigt 3D-gedruckte Bauteile aus PA6 und PPS.

Toray zeigt 3D-gedruckte Bauteile aus PA6 und PPS.

Biesterfeld ist ein Systemanbieter für 3D-Druck, hier wird eine Silikon-Manschette mit innenliegenden Kühlkanälen für orthopädische Anwendungen gezeigt.

Biesterfeld ist ein Systemanbieter für 3D-Druck, hier wird eine Silikon-Manschette mit innenliegenden Kühlkanälen für orthopädische Anwendungen gezeigt.

Bedeutende 3D-Druck-Maschinenanbieter sind nicht zu finden

Zwölf große Hallen sind auf der K 2025 für Anbieter von Maschinen für die Verarbeitung von Kunststoffen reserviert. Die bedeutenden 3D-Druck-Maschinenhersteller sehen sich offensichtlich nicht dazugehörig und fehlen mit eigenen Ständen. Folgende Firmen mit industriellen 3D-Druck-Maschinen sind (zum Teil nach intensivem Suchen) aufgefallen: KraussMaffei (DE) zeigt auf dem Stand prominent einen Großformat-3D-Drucker (FGF), der gerade ein großes Bauteil herstellt, sowie einige Bauteile (Telefonzellen-großer Einzelarbeitsplatz, Werkzeugform für Thermoformen, Hochtemperatur Autoklaven-Werkzeug). Everplast (TW) zeigt neben Extrudern auch eigene Maschinen, die Filamente zu Bauteilen drucken. Als Spezialisten in 3D-Druckmaschinen sind zwei Firmen vertreten: Matsuura (JP) ist ein CNC-Maschinenhersteller zumeist für das Fräsen von Metallen. Auf der K 2025 wird ein 3D-Drucker gezeigt, der laserbasiert Metall-Pulver zu Bauteilen schmilzt, die insbesondere für Werkzeugformen einsetzbar sind. Das Besondere ist die Integration einer Frässpindel in diese Maschine. Voxeljet (DE), traditionell eigentlich Hersteller von 3D-Druck-Maschinen für Sandformen (die im Metallguss verwendet werden), präsentiert auf der K 2025 Maschinen, die im Pulverbettverfahren (per High Speed Sintering HSS) Kunststoffteile herstellen.

KraussMaffei zeigt eine 3D-Druck-Maschine für große Bauteile.

KraussMaffei zeigt eine 3D-Druck-Maschine für große Bauteile.

Murtfeldt zeigt einen 3D-gedruckten Greifer mit komplexer Geometrie.

Murtfeldt zeigt einen 3D-gedruckten Greifer mit komplexer Geometrie.

Verunsicherung unter Kunststoff-Verarbeitern

Auf der K 2025 sind acht Hallenebenen (je zur Hälfte) für Kunststoff-Halbzeug- und Teile-Hersteller vorgesehen. Nach der Wanderung durch jeden Gang lässt sich sagen: Nur sehr wenige Kunststoff-Verarbeiter zeigen etwas Richtung 3D-Druck. Im Gespräch mit einigen Nutzern konventioneller Verfahren wird Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Bedeutung des 3D-Drucks deutlich. Die beiden folgenden Austeller sind sich aber klar darin: Eindrücklich präsentiert sich die Firma Murtfeldt (DE) mit Bauteilen, die mit konventionellen Verfahren der Kunststoffverarbeitung hergestellt oder eben 3D-gedruckt werden, jeweils abhängig von den technischen und wirtschaftlichen Anforderungen an die Bauteile. Damit wird der eigentliche Wertbeitrag des 3D-Drucks besonders deutlich. Ähnlich die Firma igus (DE): 3D-gedruckte Bauteile werden mit etwa 10 % der gezeigten Bauteile präsentiert. Weiterhin sind zwei Dienstleister für 3D-gedruckte Bauteile auf der K 2025 vertreten, die Firmen 3D Werk Black Forest (DE) und alphacam (DE), beide sind zusätzlich aktiv als Distributoren von 3D-Druckern und beraten zur Nutzung des 3D-Drucks.

Insgesamt sind mehr als 3.000 Aussteller auf der K 2025, es wurde bei meinem Besuch offensichtlich, dass man der Additiven Fertigung ein zu geringes Potenzial zuschreibt. Lasst uns daran arbeiten, dass auf der K 2028 großartige Lösungen basierend auf 3D-Druckverfahren gefeiert werden.

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