anwenderreportage
Die Dentaprime-Zahnklinik in Varna realisiert mit Asiga-3D-Druckern einen industriellen Dental-Workflow
Digitale Fertigung hat sich in der Dentaltechnik vom unterstützenden Werkzeug zur tragenden Säule moderner Produktionsprozesse entwickelt. Insbesondere dort, wo hohe Patientenzahlen, kurze Durchlaufzeiten und konstant hohe Qualität gefordert sind, stoßen klassische analoge Verfahren an ihre Grenzen. Die Dentaprime-Zahnklinik im bulgarischen Varna steht exemplarisch für diesen Wandel. Mit einer klar strukturierten digitalen Prozesskette und mehreren 3D-Drucksystemen von Asiga verbindet die Klinik medizinische Exzellenz mit industrieller Fertigungslogik – vom Intraoralscan bis zur finalen prothetischen Versorgung.
Auf den Max 2 DLP-Systemen von Asiga entstehen unter anderem Try-ins, um die Passform der späteren Prothese zu überprüfen.
Shortcut
Aufgabenstellung: Herstellung von Komponenten für die Dentaltechnik und Patientenversorgung.
Lösung: Max 2 und Pro 4k von Asiga.
Nutzen: Zeitnahe Bereitstellung von Arbeitsmodellen, Prothesenbasen, Try-ins, individuellen Abformlöffeln sowie temporären Kronen und Prothesen.
Dentaprime zählt zu den größten Zahnkliniken Europas und behandelt Patienten aus zahlreichen Ländern. Der hohe internationale Patientendurchsatz erfordert ein Dentallabor, das nicht handwerklich improvisiert, sondern industriell organisiert ist. Das Labor ist in spezialisierte Unterabteilungen gegliedert, die jeweils klar definierte Aufgaben übernehmen.
„Wir haben separate Teams für Design, 3D-Druck, Fräsen und manuelle Finalisierung. Nur mit sauber gegliederter Struktur und klar definierten Arbeitsabläufen lassen sich Qualität, Effizienz und Skalierbarkeit gleichzeitig sicherstellen“, erklärt Ivelin Bayraktarov, Global Dental Laboratory Manager bei Dentaprime.
Die Datengrundlage liefert ein Intraoralscan zu Beginn der Behandlung. Dieser wird zur Qualitätssicherung zwischendurch und am Ende wiederholt.
„Die Zuverlässigkeit der Systeme und die offene Materialstrategie von Asiga helfen uns dabei, reproduzierbar höchste Qualität für unsere Patienten bereitzustellen.“
Vom Intraoralscan zur digitalen Konstruktion
Der digitale Workflow beginnt im Behandlungsraum. Anstelle klassischer Abformungen werden mithilfe von 3shape-Intraoralscannern von Argen Dental digitale Abbilder des gesamten Ist-Zustandes in der Mundhöhle erstellt, die in den nachgeschalteten Softwaresystemen derselben Firma weiterverarbeitet werden. Diese Daten bilden die Grundlage für sämtliche nachfolgenden Prozesse. Medienbrüche oder analoge Zwischenschritte existieren nicht mehr.
„Ohne saubere Daten funktioniert weder 3D-Druck noch Fräsen. Der Scan ist deshalb ein wichtiger Schritt im gesamten Prozess. Im Behandlungsverlauf wird der Intraoralscan immer wieder eingesetzt, um erforderliche Korrekturen vornehmen zu können sowie auch für die Qualitätssicherung bei der fertigen Prothese“, sagt Bayraktarov.
Anhand der Intraoralscans und einer genauen Bestandsanamnese wird ermittelt, welche Behandlungsschritte erforderlich sind. Im nachgelagerten Beratungsgespräch entscheidet der Patient, welche Versorgung er möchte und plant diese zusammen mit den Experten von Dentaprime. Im Laufe der Behandlung werden fehlende Zähne oder extreme Fehlstellungen über Daten aus Zahnbibliotheken ergänzt und die Ergebnisse als Try-in vorbereitet. Der Patient kann dann entscheiden, ob ihm die Neugestaltung zusagt oder eine Anpassung vorgenommen werden soll. Damit erhält jeder Patient die genau auf ihn abgestimmte Versorgung.
Die Patientendaten werden mit der Software von Argen Dental aufbereitet und die erforderlichen 3D-Modelle für Arbeitsmodelle, Prothesen und Kronen erstellt.
Fünf Asiga-Systeme im produktiven Dauerbetrieb
Im Bereich der Additiven Fertigung setzt Dentaprime auf vier Asiga Max-2 Systeme sowie einen Asiga Pro 4K. Die DLP-basierten Drucker sind vollständig in den Produktionsworkflow integriert und laufen im Mehrschichtbetrieb. Sie werden für Arbeitsmodelle, Prothesenbasen, Try-ins, individuelle Abformlöffel sowie temporäre Versorgungen eingesetzt. Mit einer Baufläche von 119 x 67 mm beim Max 2 ist genug Platz, um mehrere Prothesenbasen gleichzeitig zu fertigen. In der Regel werden diese liegend angeordnet, wodurch nur eine geringe Bauhöhe zustande kommt. Dadurch wird zwar die mögliche Bauhöhe von 84 mm in der Regel nicht voll ausgenutzt, aber die Bauzeit verkürzt und die Techniker im Labor haben sehr schnell ihre Arbeitsgrundlage zur Verfügung. Der Pro 4k hingegen wird im Wesentlichen für Arbeitsmodelle verwendet. Er hat mit einem Bauvolumen von 217 x 122 x 200 mm einen größeren Bauraum sowie eine stärkere Belichtungseinheit für kürzere Belichtungszeiten, wodurch in der Herstellung der Arbeitsmodelle viel Zeit eingespart werden kann. Ein entscheidender Faktor für die Wahl von Asiga war die konsequente Materialoffenheit der Systeme. „Wir wollten nicht an einen einzelnen Materialhersteller gebunden sein. Asiga gibt uns die Freiheit, Materialien objektiv zu testen und selbst zu entscheiden“, betont Bayraktarov.
Arbeitsmodelle helfen bei der Vorbereitung der Implantat- und Prothesenversorgung für eine perfekte Anpassung an die Patientensituation.
Anwender: Dentaprime
Die Dentaprime-Zahnklinik in Varna, Bulgarien wurde 2006 gegründet und zählt zu den führenden Zahnkliniken weltweit. Mit 750 Mitarbeitern sowie modernster Behandlungs- und Laborausstattung werden dort jährlich mehr als 10.000 Patienten behandelt. Als Spezialklinik für festen Zahnersatz, Kronenbehandlung und Veneers ist Dentaprime mit über 40.000 gesetzten Implantaten jährlich eine der größten Zahnkliniken der Welt. Eine weitere Klinik betreibt Dentaprime in London (UK). Ein Netzwerk von über 130 Partner-Zahnärzten allein im DACH-Raum unterstützt bei der Kontrolle und Nachsorge.
DMZ Dentaprime EAD
17 Graf Ignatiev no.5
BG-9000 Varna
https://www.dentaprime.com
Materialstrategie: abgestimmt auf jeden Prozessschritt
Die Materialstrategie bei Dentaprime ist klar prozessorientiert aufgebaut. Asiga Denta Model wird für feste und herausnehmbare Prothesenmodelle eingesetzt, Asiga Denta Gum dient der realistischen Replikation der Gingiva. Individuelle Abformlöffel entstehen aus Asiga Denta Tray, während Asiga Denta Try für die Try-in-Phase verwendet wird. Für temporäre Restaurationen kommen Crowntec von Saremco für temporäre Brücken sowie Detax Freeprint TEMP für Prothesenbasen und temporäre Kronen zum Einsatz. Alle Materialien werden vor dem Serieneinsatz intern getestet. Die hohe Materialvielfalt orientiert sich an den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Anwendung und wird bei Dentaprime regelmäßig weiterentwickelt und optimiert. „Wir bewerten Druckqualität, Reproduzierbarkeit, Nachbearbeitung und Wirtschaftlichkeit“, sagt Bayraktarov. „Erst danach fällt die Entscheidung für ein Material. So kommt es auch, dass wir für so gut wie jedes Anwendungsszenario ein spezielles Material verifiziert haben.“
Die Druckvorbereitung erfolgt zentral und wird online an die Asiga-Systeme übergeben.
Kombination aus additiver und subtraktiver Fertigung
Insbesondere bei komplexen Vollrestaurationen ist das Prototyping ein unverzichtbarer Schritt. Vor der finalen Zirkonfertigung wird stets ein Kunststoffprototyp gedruckt und im Patientenmund getestet. Anpassungen werden digital umgesetzt und erneut gedruckt. „Diese Anprobe können wir nicht überspringen, sie ist entscheidend für Funktion, Ästhetik und schlussendlich die Patientenzufriedenheit“, erklärt Bayraktarov.
Für endgültige Zirkonrestaurationen nutzt Dentaprime fünf CORiTEC 350i Loader Pro+ Fräsmaschinen von imes-icore. Die Systeme sind automatisiert und erlauben einen nahezu durchgängigen 24/7-Betrieb. Dabei werden Paletten mit Halbzeugen aus Zirkoniumoxid beladen und entsprechend den Prothesen- oder Kronendaten, die mit einem Schrumpfungsaufmaß versehen werden, versorgt. Durch die Palettenbeladung können die Fräsmaschinen rund um die Uhr laufen. Nach dem Fräsvorgang werden die noch instabilen Grünteile gesintert und erhalten damit ihre Endfestigkeit. „Unsere Maschinen stehen praktisch nie still, ohne diesen Automatisierungsgrad wäre unser Workflow nicht realisierbar“, sagt Bayraktarov.
Vier Max 2 und ein Pro 4k von Asiga sind fast rund um die Uhr im Einsatz.
Qualität entsteht nach dem Druck
Trotz hoher Automatisierung bleibt ein erheblicher Teil der Wertschöpfung manuell. Reinigung, Sintern, Glasieren und Individualisierung erfolgen durch erfahrene Zahntechniker. Jede Restauration durchläuft mehrere Qualitätskontrollen. „Auch in der Dentalklinik macht der 3D-Druck an sich vielleicht 30 bis 40 Prozent des Gesamtprozesses aus, der Rest ist Erfahrung und Handwerk“, ergänzt Bayraktarov.
Asiga als Plattform für industrielle Dentalfertigung
Aus Sicht des Herstellers gilt Dentaprime als Referenzanwender. Ken Wang, Business Development Manager Europe bei Asiga, sieht darin eine Bestätigung der Plattformstrategie. „Dentaprime zeigt, wie Additive Fertigung im Dentalbereich industrialisiert werden kann“, sagt Wang. „Unsere Systeme sind genau dafür ausgelegt: materialoffen, präzise und prozesssicher.“
In Österreich wird Asiga durch den Vertriebspartner Bibus Austria vertreten. Daniel Kopp, Ansprechpartner bei Bibus Austria, hebt die Bedeutung langfristiger Prozessbegleitung hervor. „Es geht nicht nur um Maschinen, sondern um stabile Produktionsprozesse. Gerade bei Anwendern wie Dentaprime ist das entscheidend. Wenn es um medizinische Anwendungen geht, möchte niemand ein Risiko eingehen“, sagt Kopp.
Fazit
Die umfangreiche Nutzung der Asiga-Systeme bei Dentaprime zeigt, wie Additive Fertigung im medizinischen Umfeld als industrielles Werkzeug eingesetzt wird. Dentaprime verbindet digitale Prozesssicherheit, materialoffene 3D-Drucksysteme und klassische CNC-Fertigung zu einem skalierbaren, reproduzierbaren Gesamtprozess.
Produkt im Einsatz
Max 2
Die Max-Serie, darunter die Modelle Max 2 und Max X, ist ideal für kleine Werkstücke mit hohen Detailanforderungen und zeichnet sich durch kompakte Bauweise sowie einfache Bedienung aus. (DLP-Druckverfahren)


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